Es war ein ganz normaler Abend. Wir saßen beim Abendessen. Unsere Kleine wollte auf den Arm, denn nach dem Essen trank sie sich noch bei mir satt und wir kuschelten. Also wollte ich sie wie gewohnt anlegen. Doch sie wollte einfach nicht trinken. Ich versuchte es immer wieder, aber sie wollte einfach nicht. In dieser Nacht schlief sie sehr unruhig. Immer wieder bot ich ihr die Brust an, aber von diesem Abend an wollte sie nicht mehr gestillt werden. Sie war grade ein Jahr und wenige Wochen alt.

Bis zu diesem Tag habe ich monatelang von nachmittags 17 Uhr bis morgens 7 Uhr gestillt. In der Nacht manchmal sogar stündlich, wobei sie dann nicht viel trank. Doch alle zwei bis drei Stunden hatte sie auch nachts immer das Bedürfnis gestillt zu werden . Schon ein paar Wochen lang hatte ich das Gefühl, sie würde etwas weniger trinken, doch die Häufigkeit glich das wohl aus.

Doch plötzlich hat sie sich von einem Tag auf den anderen „selbst abgestillt“. Es gab zwei unruhige Nächte und danach schlief sie zufrieden durch.

Nun saß ich da plötzlich mit meinem Power-Busen, der nicht mehr geleert wurde. „Endlich ein schönes Decoltee“, dachte ich mir. Doch es fühlte sich leider nicht so gut an. Um die Milchproduktion zu verringern trank ich von morgens bis abends Salbei- und Pfefferminztee. Außerdem trug ich Tag und Nacht einen engen Sport-BH, denn auch das sollte angeblich die Milchproduktion hemmen und sogar im Büro schummelte ich mir unauffällig Kühlpacks in den BH.

Abends saß ich in der Badewanne und sah mir Videos an, wie man die Milch ausstreicht. Nach einer Woche verlor der Busen an Volumen und es gab kaum noch neue Milch. Rein körperlich war ich sehr erleichtert. Das plötzliche Abstillen unserer Tochter hatte mir einiges abverlangt.

Grade emotional bin ich Achterbahn gefahren. Das Stillen war zeitweise sehr anstrengend, insbesondere nachts. Gleichzeitig genoss ich diese Nähe so sehr, die Bindung und auch manchmal das Gefühl, dass nur ich ihr Bedürfnis nach Milch in dieser Form stillen konnte. Der Gedanke, dass all diese besonderen Momente nun plötzlich vorbei waren und nicht mehr wiederkämen machte mich traurig und emotional.

Es war seltsam, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Immer wieder dachte ich mir, dass ihr kleiner Körper schon weiß, dass er meine Milch nun nicht mehr braucht und sie nun offensichtlich alle Nährstoffe auf anderem Weg bekommt. Das Vertrauen in unser Kind und ihr Körpergefühl half mir, besser mit den Emotionen zurecht zu kommen. Seitdem trage ich endlich wieder normal BHs und keine Still-BHs mehr. (Das war vorher bei meinem Milchvolumen leider nicht möglich.)

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