Wir sind auf dem Spielplatz. Alles scheint gut. Die Maus kommt zu mir und will unbedingt ihre Schuhe ausziehen und barfuß laufen. Ich erkläre ihr, dass das nicht geht. Etliche Bienen und Wespen sitzen in der Blumenwiese, die zwischen den Bereichen des Spielplatzes liegt. Sie hört mir ganz ruhig zu.

Doch dann beginnt sie ihre Schuhe auszuziehen. Möglichst ruhig erkläre ich ihr, sie soll die Schuhe bitte anbehalten. Zuhause könne sie barfuß laufen. Ein großes Geschrei wird gestartet. Sie reißt sich von mir los, schreit herum und will unbedingt barfuß laufen. Ich hocke mich neben sie und bitte sie ruhig aber bestimmt, die Schuhe wieder anzuziehen. Nach dem dritten erfolglosen Versuch setze ich sie kurzerhand in den Kinderwagen und fahre sie unter Tränen und Geschrei nach Hause. Der Weg vom Spielplatz zu uns geht durch ein Wohngebiet, ca. 10 Minuten zu Fuß.

Die Leute schauen uns an.

Was wäre dein erster Gedanke?
Lass sie doch einfach barfuß laufen? Was soll schon passieren? Warum bleibt sie nicht ruhig und geht auf ihr Kind ein?
Hättest du dir ein Urteil über mich gebildet?

Was keiner gesehen hat:
Ich hatte letzte Nacht nur zwei Stunden geschlafen, weil die Tochter wegen eines Mückenstichs nicht wieder eingeschlafen ist.
Außerdem bin ich leicht allergisch gegen Wespenstiche und habe Sorge, ob mein Kind ebenfalls allergisch ist.
An diesem Tag hatte ich schon etliche starke Emotionen liebevoll begleitet.
Weil ich Berufstätig bin koordinierte ich zudem auf dem Spielplatz gerade gedanklich Haushalt, Job und Wochenstruktur, um nicht im Chaos zu versinken.

Ich muss auch noch heute dringend Bügeln, um morgen für die Arbeit etwas zum Anziehen zu haben.
Zudem hatte ich kurz vorher eine Meinungsverschiedenheit mit meinem Mann, die mich ganz schön mitgenommen hat.
Kräftemäßig war ich am Limit.

Und? Was denkst du jetzt?

Versteht mich bitte nicht falsch. Wir alle beobachten und machen uns unsere Gedanken. Schon unbewusst passiert das. Doch in der Regel kennen wir nicht alle Fakten. Wir sehen einen Mini-Ausschnitt. Also lächeln wir einander doch noch öfter aufmunternd zu. Und machen wir uns als Mama in so einer Situation nicht verrückt, was die anderen jetzt gerade denken mögen.

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